Kunsttreppe Fulda

Eröffnungsrede

Eröffnungsrede Vernissage Sibylle Burrer, 11.03.2017, Galerie 21, K. Becker

Sehr geehrte Gäste, sehr geehrte Frau Burrer! Am 22. Februar lernte ich hier in der Trüffel die Künstlerin Sibylle Burrer kennen --- inmitten ihrer Plastiken aus Stahl und Blech.

Ich denke es war auch für sie eine spannende Situation, denn Fulda ist für sie, die aus Pforzheim kommt, wahrlich kein Heimspiel. Sieht man sich ihre umfangreiche Webseite an, so könnte ihr künstlerisches Konzept lauten:
Gegensätze ausloten – Entwicklung erleben.

Das Spannungsverhältnis zwischen Form und deren Auflösung ist ihr Thema:
„Das Geordnete muss ins Chaos fallen, damit Neues entstehen kann.“
Ein radikaler Satz!

Liebe Frau Burrer, sie haben gemeinsam mit uns 28 Werke, Plastiken und Zeichnungen aus den Jahren 1995 bis 2017 ausgewählt. Betrachtet man Ihre intensiv dunklen Bleistiftzeichnungen, aber auch Ihre Plastiken, dann erkennt man beharrliches und hartes Arbeiten. Woher kommt das? Habe ich mich gefragt.

Wenn ich Ihre biografischen Ausführungen richtig verstanden habe, dann hat sie das Natursteinwerk ihres Vaters in Maulbronn entscheidend geprägt. Bei einem anderen uns bekannten Künstler war es die heimische Bäckerei, hier war es also der Steinbruch, der Umgang mit hartem Material, der schließlich nach dem Abitur in eine Steinmetzlehre mündete. Danach haben Sie ein Architekturstudium abgeschlossen und vier Jahre als Architektin gearbeitet, verspürten aber immer den Hang zur künstlerischen Auseinandersetzung mit den Materialien und Baustoffen. So war es insbesondere wieder der harte Stein, der sie herausforderte - und in seiner zeitraubenden, kräftezehrenden Bearbeitung ihren Formfindungsprozess unterstützte. Danach folgte Unterricht in Bildhauerei und Grafik. Sie tauschten ihren festen Job als Architektin gegen ein unsicheres Leben als freischaffende Bildhauerin ein.

Die im Steinbruch erlebbaren festen und geschlossenen Formen springen dem Betrachter bei den Plastiken förmlich ins Auge. Wir müssen uns vorstellen, Ihre Plastiken stehen auch in der Größe 1.50 mal 1.50 im öffentlichen Raum. Können wir in unseren Räumen nicht realisieren.

Auch an den kleineren Plastiken wird die pragmatische Seite ihrer Kunst deutlich. Denn nur durch handwerkliche Kompetenz gelingt der Transfer ihrer Ideen in die Realität. Handwerk und Kunst gehören für Sie unmittelbar zusammen. Bevor Sie Stahl zu Kunstwerken arrangieren, greifen Sie zur Blechschere, um geschlossene Körper zu öffnen. Kompakte geometrische Körper – ein Würfel etwa oder eine Pyramide – werden aufgeschnitten, aufgelöst in Bänder, die nur noch entfernt an die einstmals geschlossene Form erinnern. Dadurch entsteht ein lebhaftes Gewirr von Stahlbändern, die viel Luft einlassen, Wirbel, die sich drehen und wenden. Indem sie die feste Gestalt verlieren, öffnen sie sich dem Raum.

Auch bei den Zeichnungen, die Hauptbestandteil der Ausstellung sind, wird dieser Impetus des Auslotens von Gegensätzen sichtbar: Es sind keine bloßen Skizzen oder Arbeitsblätter zur Vorbereitung der bildhauerischen Arbeiten, sie beschäftigen sich aber mit denselben Themen und Elementen. Sie entstehen parallel zu den Arbeiten in Stein und Stahl als zweidimensionale Erkundungen mit Tusche, Bleistift, Buntstift und Papier.

Man sieht dunkle, massiv geschwärzte Flächen, die erst durch stundenlanges Auftragen von Bleistiftschichten erzeugt werden, wie Sie mir erklärten. So entstehen Räume, Körper und Strukturen. Sie werden mittels eines harten Bleistifts - wie mit einer Blechschere - aufgelöst, aus der Statik wird dynamische Bewegung. Aus einer ursprünglich dichten, kompakten Masse – meist schwarz – entwickelt sich eine neue Form: Ein Spalt tut sich auf, Licht dringt ein, die schwarze Fläche weicht zurück.

In den farbigen Zeichnungen entstehen durch Versatzstücke von Architektur Ruhepunkte und Raumeffekte, während Tänzer wie Stürme durch den Raum wirbeln.

Liebe Frau Burrer, mit Ihren Plastiken und Zeichnungen ermuntern Sie uns Betrachter Gegensätze und Verwandlungen zu erkunden Schritt für Schritt, Objekt für Objekt, Blatt für Blatt.

Bevor Sie, liebe Gäste, sich nun auf Ordnung und Chaos in Sibylle Burrers Werk einlassen, möchte ich darauf hinweisen, dass die Künstlerin sich über Fragen und Gespräche freut.

Noch ein Zusatz von mir: Das Anliegen der Galerie 21 ist, wie sie alle wissen, dem Publikum die Möglichkeit zu eröffnen, Kunst zu günstigen Preisen zu erwerben. Auch dazu bietet sich hier die Gelegenheit.

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